Historie der Gemeinde Bruchsal

Aus der Geschichte der Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche des Bezirks Bruchsal/Kraichtal

(Im Jahre 1968 vereinigten sich die Evangelische Gemeinschaft und die Methodistenkirche zur Evangelisch-methodistischen Kirche. Die Gemeinden des Bezirks Bruchsal/Kraichtal geh├Ârten bis zur Vereinigung zur Evangelischen Gemeinschaft.)

Damals im April 1905 in Bruchsal

begann Prediger J. H├Ânes, Bretten, Versammlungen der Evangelischen Gemeinschaft in einem Saal in der Altestra├če abzuhalten. Er tat dies auf Dr├Ąngen der Familie Sinner. Diese war 1903 von Karlsruhe nach Bruchsal umgezogen. Sie war bei der Evangelischen Gemeinschaft in Karlsruhe zum lebendigen Glauben an Jesus Christus gekommen und vermi├čte nun sehr das Gemeindeleben in Gemeinschaft mit Br├╝dern und Schwestern, die Gottes ver├Ąndernde Kraft in ihrem Leben ebenfalls erfahren hatten.
Die Familie hatte lediglich die M├Âglichkeit, sonntags in Unter├Âwisheim den Gottesdienst zu besuchen, denn hier bestand seit 1865 eine Gemeinde der Evangelischen Gemeinschaft. Auch in Bruchsal hatten im Jahre 1865 evangelistische Versammlungen stattgefunden; es war aber hier nicht zu einer Gemeindegr├╝ndung gekommen.

Erst durch den Dienst von Prediger H├Ânes entstand eine Gemeinde, die rasch wuchs und bereits 1908 einen Jugendverein und einen gemischten Chor hatte. Von 1910 bis 1913 war Prediger Christian G├Ąhr in Bruchsal eingesetzt. Bald nach seinem Wegzug starb er im Alter von 33 Jahren. Als Prediger Johannes Wei├čhaar im Jahre 1913 den Gemeindebezirk ├╝bernahm, stand er kurz vor der Pensionierung. Somit konnte er w├Ąhrend des 1. Weltkrieges die Gemeindearbeit ungehindert tun. Er war ein rechter Seelsorger in den schweren Jahren bis 1918. Sein Nachfolger wurde der junge Prediger Gustav Kick, in dessen Amtszeit die Raumnot zu einem Problem geworden war, denn die Versammlungen mu├čten in st├Ąndig wechselnden S├Ąlen abgehalten werden. Gro├č war deshalb der Wunsch nach einem eigenen Gottesdienstraum.

Im Jahre 1923 wurde Prediger Wilhelm K├╝hner nach Bruchsal versetzt. Er nahm sich der Raumprobleme tatkr├Ąftig an. Am 24. August 1926 erwarb die Evangelische Gemeinschaft einen Saal (ehemals Hemdenfabrik) mit Bauplatz f├╝r ein Wohnhaus in der Moltkestra├če 3. Der erste Gottesdienst fand in diesem Saal am 15. Oktober 1926 statt. In dieser Zeit wurde auch mit dem Bau des Wohnhauses begonnen. Am 8. Mai 1927 konnten beide H├Ąuser dem Herrn geweiht werden. Prediger Rapp, Herrenalb, hielt die Weihepredigt. Das Gemeindehaus erhielt den Namen "Gemeindehaus Salem". Nachdem die Gemeinde nun ein eigenes Haus hatte, konnte sie ihre Arbeit ausweiten. Der gemischte Chor und der Jugendverein erhielten Zuwachs. Die Gemeinde befand sich in einer verhei├čungsvollen Bl├╝tezeit, als Prediger Michael Kratt 1928 die Gemeindearbeit ├╝bernahm.

Dann begann die Zeit der Arbeitslosigkeit, in der viele Familien, darunter auch eine Anzahl Gemeindeglieder, Bruchsal verlie├čen, um anderswo eine Arbeit zu finden. Es folgte die Herrschaft der Nationalsozialisten. Die Arbeit der Kirche wurde eingeschr├Ąnkt, und auch manches Christenherz wurde von den politischen Str├Âmungen erfa├čt. So sehr sich Prediger Kratt (1928 bis 1935) und Prediger Friedrich Mattes (1935 bis 1938) auch einsetzten, der Gemeinde blieb nicht erspart, was auch in vielen anderen Gemeinden eintrat: Sie verkleinerte sich.

Im Jahre 1938 wurde Prediger Alfred Baumg├Ąrtner nach Bruchsal versetzt. Durch seinen unerm├╝dlichen Einsatz gab es noch einmal einen Aufschwung. Doch dann brach am 1. September 1939 der 2. Weltkrieg aus. Im Mai 1940 wurde Prediger Baumg├Ąrtner zur Wehrmacht eingezogen. Aber die Gemeinde verwaiste nicht; sie wurde versorgt durch Prediger Rieker bis zu dessen Einberufung und danach von Prediger Glor, der sich bereits im Ruhestand befand.

Der Fliegerangriff auf Bruchsal am 1. M├Ąrz 1945, bei dem die Stadt zu 80% zerst├Ârt wurde, hatte auch f├╝r die Gemeinde katastrophale Auswirkungen: Das Gemeindehaus und das Wohnhaus wurden ein Raub der Flammen, die meisten Gemeindeglieder waren ausgebombt, viele zogen fort von Bruchsal. Zur├╝ck blieb eine kleine Schar, die, nachdem die schwerste Zeit (dazu geh├Ârte auch die Besatzung durch Franzosen) vor├╝ber war, sich wieder sammelte. Jetzt zeigten sich die Treue, der Glaube und der Gemeinschaftssinn der ├ťbriggebliebenen. Gottesdienste wurden teils in der noch einigerma├čen erhalten gebliebenen Waschk├╝che des Wohnhauses, teils in der Freiherr vom Stein-Schule, abgehalten.
Voller Freude konnte im Oktober 1945 der, aus der Kriegsgefangenschaft zur├╝ckgekehrte, Gemeindeprediger Baumg├Ąrtner begr├╝├čt werden. Nun kam Bewegung in die kleine Gemeinde. Es galt, die zerst├Ârten H├Ąuser wieder aufzubauen. Dies war in damaliger Zeit ein kaum zu bew├Ąltigendes Unterfangen und gelang nur deshalb, weil die Arbeit von den Gemeindeangeh├Ârigen gemeinschaftlich mit Einsatzfreude und unter gro├čen Opfern geleistet wurde. Nachdem die Tr├╝mmer der beiden H├Ąuser beseitigt waren, begann der Wiederaufbau, der wegen der Knappheit an Baumaterialien immer wieder ins Stocken kam.
Doch am 27. M├Ąrz 1949 konnte der Gemeindesaal eingeweiht werden. Das war ein Freuden- und Dankfest. Superintendent Ludwig M├╝rle hielt die Weihepredigt. Die ehemaligen Gemeindeprediger Kratt und Glor dienten mit Ansprachen.
Nach vielen Jahren der Behinderungen und Einschr├Ąnkungen konnte nun die Gemeindearbeit neu beginnen. Gottesdienste, Sonntagsschule, Bibel-, Sing- und Jugendstunden wurden wieder regelm├Ą├čig gehalten. Gott segnete den unerm├╝dlichen Einsatz von Prediger Baumg├Ąrtner und seinen Mitarbeitern und f├╝hrte eine gr├Â├čere Anzahl heilssuchender Menschen in die Gemeinde.

Nach der Versetzung von Pastor Baumg├Ąrtner im Jahre 1950 ├╝bernahm Pastor Karl Lang den Bezirk Bruchsal/Kraichtal. Kurz nach seinem Amtsantritt f├╝hrte er selbst eine Evangelisation durch, bei der mehrere, bisher abseits stehende Zuh├Ârer, zum lebendigen Glauben an Jesus Christus kamen. Im Jahre 1957 wurde Pastor Lang nach Schw├Ąbisch Hall versetzt, wo er seinen Dienst bis 1963 tat. Zur Freude aller Bezirksgemeinden nahm er nach seiner Versetzung in den Ruhestand seinen Wohnsitz in Unter├Âwisheim. Trotz zunehmender Leiden diente er regelm├Ą├čig den Gemeinden bei Gottesdiensten, Bibelstunden und Krankenbesuchen. Am 11. April 1967 durfte er im Alter von 62 Jahren heimgehen. Eine gro├če Trauergemeinde geleitete ihn zur Ruhest├Ątte auf dem Friedhof in Unter├Âwisheim.
Pastor Wilhelm Kiemle, der auf dem Bezirk Bruchsal/Kraichtal von 1957 bis 1964 seinen Dienst versah, hatte mit gro├čen Schwierigkeiten zu k├Ąmpfen. Einfl├╝sse von au├čen verursachten Unruhe unter den Gemeindegliedern; einige wenige Glieder haben in der Folge die Gemeinde verlassen. Mit wenigen Ausnahmen hielt jedoch die Gemeinde fest zusammen, so da├č auch diese schwierige Phase gemeinsam ├╝berwunden werden konnte.
Pastor Robert Gaubatz ├╝bernahm im Jahre 1964 den Gemeindebezirk. In seine Dienstzeit fiel die Vereinigung der Evangelischen Gemeinschaft und der Methodistenkirche im Jahre 1968. Diese hatte f├╝r den Bezirk Bruchsal insofern keine Auswirkungen, weil nur Gemeinden der Evangelischen Gemeinschaft bestanden. Pastor Gaubatz wurde zum "Baupastor", der die Bauvorhaben in Unter├Âwisheim und M├╝nzesheim in Angriff nahm, Bauleiter und Handwerker war und in seiner Einsatzfreude den vielen Helfern aus den Gemeinden mit gutem Beispiel voranging. Es war ihm aber auch gegeben, in origineller und zupackender Weise zu predigen und die Menschen anzusprechen. Gott best├Ątigte seinen Dienst in der Gemeinde. Die Gottesdienste wurden gut besucht, die Bibelstunden belebten sich, die Jugendarbeit nahm einen Aufschwung. Manche Tr├Ąne flo├č beim Abschied des jungen Gemeindepastors 1972.

Im Jahre 1972 wurde Pastor Erich He├č auf den Gemeindebezirk Bruchsal/Kraichtal berufen. In der Folgezeit sind durch sein Wirken die Gemeinden des Bezirks enger zusammengewachsen. Das Bewu├čtsein, da├č die Gemeinde, im rechten Sinn verstanden, eine Dienst- und Lebensgemeinschaft ist, in der alle Glieder geborgen und angenommen sind, ist neu geweckt worden. Seminare, Wochenendfreizeiten, Gemeindeausfl├╝ge, Sonntagsschulfeste waren Erlebnisse froher Gemeinschaft. Dabei ist in den Gemeinden das Verlangen aufgebrochen, konsequenter im Glauben zu leben und sich f├╝r den Herrn einzusetzen.

Der Neubau des Gemeindehauses in Bruchsal wurde nach anhaltendem Gebet, im Vertrauen auf den Herrn, gewagt. Der Verlauf des Bauens mit aller Durchhilfe und mit treuem Einsatz der vielen Handwerker und Helfer von allen Bezirksgemeinden - der Gemeindepastor mit eingeschlossen -, die mit Ausnahme ganz weniger Arbeiten das Haus alleine erstellten und w├Ąhrend der langen Bauzeit nicht m├╝de wurden, hat die Zweifel, ob es richtig war, neu zu bauen, beseitigt. Mit Dank und Freude nahm die Gemeinde 1985 das wohlgelungene Gemeindehaus als Gabe Gottes an. Pastor He├č wirkte auf dem Bezirk bis zum Jahre 1987.

1987 kam Peter Vesen, als leitender Pastor und 1990 Frieder Zabel, als weiterer Pastor auf den Bezirk Bruchsal/Kraichtal. Horst Kerscher kam 2000 als leitender Pastor auf den Bezirks Bruchsal/Kraichtal. Seit 2003 ist Ulrike Jourdan zun├Ąchst als Pastorin auf Probe, dann als volle Pastorin auf unserem Bezirk. Seit 2004 ist Sieghard Kurz leitender Pastor.